Patientinnen

Endometriosezentrum

Sprecher:
Prof. Dr. med. Matthias W. Beckmann

Endometriose

Unerklärte Unterbauchschmerzen, welche oft über Jahre bestehen und nur unzureichend medikamentös therapiert werden konnten, stellen sich bei der operativen Abklärung oftmals als Endometriose heraus. Endometriose kann auch in Zusammenhang mit unerfülltem Kinderwunsch (Sterilität) gebracht werden. Eine Abklärung der Unterbauchschmerzen oder der Sterilität erfolgt, neben der klinischen Untersuchung und dem Ultraschall, in der Regel mittels einer Bauchspiegelung (Laparoskopie).

Im Falle von unerfülltem Kinderwunsch erfolgt eine intensive Zusammenarbeit mit den Kollegen der Kinderwunschsprechstunde um individuell für jede einzelne Patientin ein optimales Konzept zu entwickeln. Zuerst sollte der Versuch angestrebt werden, eine Empfängnis (Konzeption) auf dem "normalen Wege" anzustreben. Ist aufgrund des ausgeprägten Befundes oder z.B. der eingeschränkten Spermienqualität des Partners ein Eintreten einer Schwangerschaft als nicht erfolgreich anzusehen, werden andere Möglichkeiten wie Insemination oder In-Vitro-Fertilisation (IVF) angeboten.

Kommt es aufgrund der ausgeprägten Endometriose zu einem Übergriff auf weitere Organe wie z.B. Darm, Scheide, Harnleiter oder Blase erfolgt die weitere Therapieplanung in Zusammenarbeit mit der Urologie und/ oder der Chirurgie. Aufgrund der langjährigen interdisziplinären Zusammenarbeit steht Ihnen hier ein erfahrenes und eingespieltes Team zur Verfügung.

Neben der gängigen medikamentösen Therapie (z. B. Hormone) besteht die Möglichkeit Ihnen im Rahmen von Studien neueste Medikamente anzubieten, die aktuell bei dieser Indikation noch nicht auf Rezept verschrieben werden können.

Myome

Was sind Myome?
Myome sind gutartige Wucherungen, die von der Gebärmuttermuskulatur ausgehen und an verschiedenen Orten der Gebärmutter wachsen können. So sind manche Myome innerhalb der Gebärmutterwand, andere wachsen aktiv nach außen in die Bauchhöhle oder in die Gebärmutterhöhle hinein (siehe Abbildung). Myome sind sehr häufig. Rund jede zweite Frau entwickelt im Laufe des Lebens im Bereich der Gebärmutter ein Myom. Myome kommen dabei altersabhängig vor. Die meisten Myome wachsen zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr.

Wie entstehen Myome?
Myome bilden sich aus kleinen Muskelkernen. Sie wachsen hormonabhängig. Beim Wachstum spielen vor allem die sogenannten Gestagene, eine Gruppe der Geschlechtshormone aus Eierstock und Nebennierenrinde, eine Rolle. Daher entstehen Myome meist vor den Wechseljahren, meist jedoch nicht mehr danach. Die Einnahme von Hormonpräparaten kann das Myom-Wachstum begünstigen. Manche Myome wachsen auch in der Schwangerschaft.

Wie merkt eine Frau, dass sie Myome hat?
Viele Myome verursachen keine Beschwerden und bedürfen daher keiner Behandlung. Größere Myome können zu einem Druck auf Blase und Darm mit häufigem Harndrang und Unterbauchschmerzen führen. Zudem können Myome mit einer verstärkten Regelblutung einhergehen, was durch eine Verringerung des Blutfarbstoffs im Blut im Extremfall in Kreislaufproblemen münden kann. Häufig werden Myome als Zufallsbefund im Rahmen der gynäkologischen Tast- oder Ultraschalluntersuchung festgestellt.

Wann sollten Myome therapiert werden?
Myome sollten nur dann therapiert werden, wenn sie Beschwerden verursachen und so die Lebensqualität der betroffenen Frau beeinträchtigen. Myome, die keine Beschwerden verursachen, sind normalerweise nicht behandlungsbedürftig. Eine Ausnahme stellen in die Gebärmutterhöhle und im Bereich der Gebärmutterschleimhaut wachsende Myome bei Frauen mit Kinderwunsch dar. Diese können die Einnistung der befruchteten Eizelle behindern und das Risiko für eine Fehlgeburt erhöhen. Auch Myome mit einem Durchmesser über 5 cm können vor einer geplanten Schwangerschaft eine Entfernung rechtfertigen.

Welche Möglichkeiten der Therapie von Myomen gibt es?
Am häufigsten werden die medikamentöse Myom-Therapie und die operative Entfernung von Myomen angewendet. Frauen mit verstärkter Regelblutung kann ein antihormonell wirksames Präparat helfen. Dieses Medikament wird täglich für 3 Monate eingenommen. Es verringert die Blutungen meist auch über die Einnahmedauer hinaus, reduziert die Myomgröße jedoch häufig nur unwesentlich. Bei großen oder einen Kinderwunsch beeinträchtigenden Myomen bleibt meist nur die operative Entfernung. Diese kann hysteroskopisch (per Gebärmutterspiegelung), laparoskopisch (durch Bauchspiegelung) oder offen (Bauchschnitt) erfolgen. Ist die gesamte Gebärmutter durch multiple Myome verändert oder besteht kein Kinderwunsch mehr, kann im Einzelfall die Gebärmutterentfernung als definitive Therapie der Myome erforderlich werden. Andere Therapieverfahren sind der fokussierte Ultraschall und das radiologisch-interventionelle Verfahren der Uterusarterienembolisation. Diese sollen die Myome durch ein Unterbinden der Blutversorgung verkleinern, kommen jedoch bei Kinderwunsch meist nicht in Betracht.

Wie geht es nach der Myom-Behandlung weiter?
Frauen mit Kinderwunsch sollten nach der Entfernung der Myome zeitnah die Schwangerschaft planen. Je nach Größe und Lokalisation der Myome kann nach der Therapie noch ein Intervall von einigen Monaten erforderlich sein, bis die Wundheilung abgeschlossen ist. Wenn Frauen in die Wechseljahre kommen (meist um das 50. Lebensjahr), bilden sich die Myome durch den nachlassenden Hormoneinfluss meist zurück.

Können Myome auch entarten?
Myome können in ganz seltenen Fällen zu einem sogenannten Sarkom (bösartiger Muskeltumor) entarten. Eine Entartung tritt nur bei ca. einem von 350 bis Myomen auf. In diesem Fall sind eine umfassende Operation und ggf. eine Chemotherapie notwendig.

Abbildung: mögliche Myom-Lokalisationen im Bereich des inneren Genitals

Genitale Fehlbildungen

Je nach Ausprägung fallen Fehlbildung des Genitaltraktes oft erst in der Pubertät wegen Ausbleiben der Periode oder später im Rahmen der Abklärung von Abgängen (Aborten) oder Sterilität auf.
Beim Vorliegen einer nicht entwickelten Scheide (z.B. Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom) besteht als primäres Ziel die Rekonstruktion einer für den Geschlechtsverkehr funktionsfähigen Scheide. Die Rekonstruktion der Scheide (Neovagina) erfolgt in der Regel durch die Operationsmethode nach Vecchetti.
Besteht bei der Abklärung von Aborten oder Sterilität der Verdacht auf eine "Trennwand in der Gebärmutter" (Uterus subseptus), erfolgt eine Abklärung durch eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie). Mittels dieser Operationstechnik kann schließlich auch die Abtragung der Trennwand erfolgen, ohne dass ein Bauchschnitt erforderlich ist.

Im Endometriosezentrum erwartet Sie ein Team aus Experten in diesem Gebiet der Frauenheilkunde, die sich gern darum bemühen, ihre Lebensqualität zu verbessern, Sie umfassend beraten und mit Ihnen gemeinsam einen ganzheitlichen Therapieplan erarbeiten. Neben operativen und medikamentös/hormonellen Therapieansätzen beraten wir Sie gern über alternative Therapiemethoden, Homöopathie und psychsoziale Interventionen. In enger Zusammenarbeit mit den Kollegen anderer Fachbereiche wie Chirurgie, Urologie, Radiologie und Anästhesie sowie dem Schmerzzentrum ist uns das Wohl unserer Patientinnen oberstes Gebot.